Garten,  Hochbeete

Kartoffeln im Pflanzsack – meine Erfahrung

Dieses Jahr musste ich einfach mal wieder etwas Neues probieren und zwischen den Hochbeeten, die im U bei uns stehen, ist noch genug Platz. Warum also nicht nutzen? So kam ich dann auf Kartoffeln im Pflanzsack. Diese waren schnell bestellt, ein paar Kartoffel-Knollen dazu und los ging es.

Die Idee hinter dem Pflanzsack

Warum überhaupt ein Pflanzsack? Wer genug Platz im Garten hat und ein entsprechendes Beet dafür reservieren kann, wird sich diese Überlegung wahrscheinlich nicht stellen. Ein Vorteil vom Pflanzsack ist jedoch, dass auch Gemüseliebhaber mit begrenztem Raum eigene Kartoffeln anpflanzen können. Ein Pflanzsack kann so gut wie überall aufgestellt werden, z.B. auch auf dem Balkon oder auf der Terrasse oder wie bei mir auf der steinigen Fläche zwischen den Hochbeeten. Selbst kleine Ecken sind damit gut genutzt. Solltest Du den Standort während der Vegetationsphase irgendwie anders nutzen wollen (neue Gartenmöbel, Grill etc.), dann kannst Du den Sack einfach umstellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man durch die spezielle Auffülltechnik mehr aus dem kleinen Platz für die Pflanze herausholen kann.

Kartoffeln im Pflanzsack

Die Pflanzsäcke oder Pflanztaschen sind meist aus Kunststoff und haben seitlich eine Teil, der geöffnet werden kann. So könnte man theoretisch auch zwischendurch Kartoffeln ernten, aber dazu komme ich später noch.

Wie baue ich Kartoffeln im Pflanzsack an?

Der Pflanzsack an sich ist luft- und oft auch wasserdurchlässig. Zusätzlich sollten jedoch noch ein paar kleine Entwässerungslöcher/- schlitze rein gemacht werden, grad so, dass keine Erde herausrinnen kann. Heißt aber auch auf Balkon etc. gegen Verschmutzung vorsorgen. Nach dieser ersten Vorbereitung wird der Sack auf ca. 30cm heruntergerollt und mit einer 3-5cm Drainage-Schicht, wie Blähton befüllt. Darüber kommt eine ca. 15cm hohe Schicht aus einer Mischung von Gartenerde, Kompost und Sand in gleichen Teilen.

Kartoffeln im Pflanzsack

Die Kartoffeln sollten vor dem Einsetzen an einem kühlen und hellen Platz zum Vorkeimen ausgelegt werden. Dies kann schon im März erfolgen. Aufgestellt im eine Eierkarton bekommen alle Kartoffeln viel Licht ab. Das Vorkeimen dauert in etwas zwei Wochen.

Ich habe meine Kartoffeln schließlich in der dritten April-Woche in die Erde gesetzt und dazu die Sorte Linda verwendet. Dazu pro Sack bis zu vier Kartoffeln mit gleichmäßigem Abstand auf die Erde legen. Die Augen bzw. der Austrieb zeigt dabei nach oben. Jetzt mit dem gleichen Substrat wie zuvor auffüllen bis die Kartoffeln gerade eben bedeckt sind. Schließlich gießen und regelmäßig feucht halten. Nach etwa einem Monat sahen die Kartoffelpflanzen dann bei mir so aus:

Kartoffeln im Pflanzsack

Jetzt kommt die wichtige Auffülltechnik für mehr Ernteerfolg! Sobald die Kartoffelpflanzen ca. 30cm hoch sind, wird die Erde bis zu den Blättern aufgefüllt. Dies wiederholt man dann ca. alle zwei Wochen bis der Pflanzsack ganz aufgerollt ist. Ein 5-10cm Gießrand sollte verbleiben.

Meine Erfahrung mit dem Sack

Der Anbau im Pflanzsack war für mich entspannt. Alles was es brauchte, war das paarmalige Auffüllen und das regelmäßige Gießen. Kartoffeln brauchen relativ viel Wasser. Ansonsten hatte ich keine Probleme mit Schädlingen wie bei anderem Gemüse und daher war es für mich stressfrei und ich konnte mich am Wachstum der Pflanzen erfreuen. Anfang Juni blühte die Kartoffel und sah ganz prächtig aus.

Kartoffeln im Pflanzsack

Hin und wieder wagte ich einen Blick seitlich in die Öffnung. Trotz regelmäßigem starkem Gießen wirkte die Erde unten super trocken. Hatte schon Sorgen, ob das überhaupt etwas wird. Dennoch, die Pflanzen explodierten weiter und Anfang Juli konnte man von oben die Pflanzsäcke gar nicht mehr sehen.

Kartoffeln im Pflanzsack

Dann kam der nasse Sommer bzw. eigentlich ging das nasse Frühjahr in den feuchten Sommer über. Wer nun Tomaten in der Nähe von Kartoffeln hat, der kann ein Problem bekommen. Meine Pflanzen hatten zu den Tomaten mindestens 1m Abstand, dennoch… Ich habe einige Tomatenpflanzen an die Braunfäule verloren wie kürzlich darüber berichtet. Ob es aber wirklich von den Kartoffeln kam oder auch so gekommen wäre? Ich kann es nicht genau sagen. Die Kartoffeln sahen wie die Tomaten immer schlimmer aus. Das ist allerdings durchaus bei den Kartoffelpflanzen der normale Verlauf. Bis zu Ernte werden sie braun-gelb und trocknen von oben. Ich zweifle daher immer noch ein wenig, ob meine Kartoffeln überhaupt wirklich von Braunfäule betroffen waren.

Ach ja, wer meint seitlich zwischendurch Kartoffeln ernten zu können…bei mir ging es nicht. Genau an der Klappe waren in beiden Säcken keine Kartoffeln greifbar. Stattdessen rieselt nur die Erde heraus und so hätte ich mir die Suche zwischendurch sparen können. Vielleicht haben da andere bessere Erfahrungen gemacht.

So oder so wurde es im August spannend. Ich konnte meine Neugier nicht im Zaum halten und habe kurz vor unserem Urlaub den ersten Sack abgeräumt. Beim ersten Pflanzsack habe ich mich zuerst seitlich an die Kartoffeln herangearbeitet, beim zweiten nach dem Urlaub dann von oben.

Kartoffeln im Pflanzsack

Die Ernte vom ersten Sack waren ca. 1,4kg Kartoffeln. Viele davon klein, die Großen auch durchaus nicht ganz so rund und eher unformig. Das wird am engen Raum im Pflanzsack liegen. Die Ernte ist so lala für vier Kartoffelpflanzen, im Freiland mit mehr Platz könnte man ggf. mehr erreichen. Dennoch für uns eine tolle Sache und eigene Kartoffeln schmecken halt einfach besonders gut. Die Großen sind gleich auf dem Grill gelandet, die kleineren habe ich zu Patatas Bravas verkocht. Nun habe ich mich gefragt, ob ich den Kartoffeln doch noch etwas Zeit hätte lassen sollen, um größer zu werden. Dazu hatte ich ja zum Glück noch den zweiten Sack für den Vergleich.

Drei Wochen später, Ende August war das Laub schon ganz gelb und eigentlich kein Laub mehr, sondern nur noch die Stängel. Nun habe ich die zweite Ernte eingefahren und war überrascht. Die Kartoffeln waren gleichmäßiger groß. Es waren nicht mehr so viele ganz kleine dabei. Dennoch, die Waage zeigte…wieder 1,4kg 🙂 Scheint also in etwa ein Standardmaß zu sein für einen Pflanzsack. Solltest Du auch schon mal im Pflanzsack Kartoffeln gehabt haben, würde mich Deine Erfahrung im Kommentar interessieren.

Kartoffeln im Pflanzsack

Das waren also meine Erfahrungen mit dem Pflanzsack. Würde ich es nochmal machen?

Fazit

Ja, ich würde es nochmal machen. Die Säcke habe ich ja schließlich und Platz auch. Ggf. werde ich mir einen Standort suchen, der nicht so nah an den Tomaten liegt, um die Braunfäule zu vermeiden. Den Kartoffeln macht sie ja nicht so viel aus, aber um die Tomaten ist es mir zu schade. Oder ich wähle einfach Tomatensorten, die ein wenig mehr resistent sind. Ich möchte es dennoch zusätzlich mit Kartoffeln im Freiland versuchen und dafür eine Ecke im eigentlich Obst-Garten frei machen. Bin schon ganz gespannt auf den Vergleich.

2×1,4kg Kartoffeln auf die zwei Pflanzsäcke, davon wird eine Familie nicht lange satt. Selbstversorger brauchen mehr Platz. Wir essen gar nicht so viel Kartoffeln und die paar aus dem eigenen Garten, sind einfach eine Freude und ein kleiner Gaumenschmauß. Wir wissen wieviel 2,5kg Kartoffeln im Geschäft kosten, kaum 2€. Lohnen tut sich das Ganze also eigentlich nicht, aber der Geschmack und das Erlebnis. Das ist schließlich unser Gewinn und deswegen gärtnern wir ja.

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2 Kommentare

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